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Do not disturb

 
Wenn man mich beim Schreiben stört, kann ich sehr böse werden.

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Schussfest! BH-Prüfung bestanden

Ich gehe mit dem Leihhund in der Hasenheide Berlin-Kreuzberg spazieren. Es gibt einen gewaltigen Knall. Hund und ich schrecken zusammen.

„Das ist doch das Normale, wenn es in der Nähe der Hasenheide knallt“, möchte mancher sagen, „mehr noch, man duckt sich unter das Straßencafétischchen, an dem man gerade sitzt, und hält sich schützend den Teller über den Kopf, in der Hoffnung, dass das zähe Ding, was einem als Gebäckstück verkauft wurde, die Kugel abfängt, die da herumschwirrt.“

Unser Knall kam nur von einem LKW, der über eine Plastiktüte fuhr.

Einen Knall kann man auch kriegen, wenn man mit Freundinnen shoppen geht. Man kommt nicht umhin, bei jedem Schaufenster stehen zu bleiben, in jedes zweite Geschäft hinein zu gehen und seine Meinung zu nahezu identischen Kleidungsstücken zu äußern. Das ist anstrengender als Joggen, Wohnungputzen oder den Parkourlauf durch die Hundehaufen in Berlin-Neukölln zu absolvieren.
Ich hasse shoppen, obwohl ich sagen kann, ganz appetitlich gekleidet zu sein.

Für jedes Teil, das nach dem Shoppen  in meine Wohnung wandert, wandert ein anderes aus dem Schuhschrank oder den Kleiderschrank heraus.
Früher habe ich die Sachen bei den Sammelstellen der Caritas eingeworfen. Seit ich aber von der Mutter einer Freundin weiß, dass sich das beste Drittel der Sachen die Mitarbeiter der Caritas mit nach Hause nehmen, während der Rest versilbert wird, spende ich meine Sachen jetzt nur noch an hocherfreute Nichten. Natürlich keine BHs. BHs sind Unterwäsche und die verschenkt man – einmal getragen – nicht weiter. Ich habe sie auch früher nicht der Caritas gespendet. Zum Glück. Ich möchte nicht, dass eine Angestellte der katholischen Kirche, die dort für eine scheinbar gute Sache arbeitet, gegen das siebte Gebot verstößt (das mit dem Klauen) und in meiner Unterwäsche herumläuft, sich dabei womöglich noch denkt: „Sieh an, da hat Gott mir ja ein hübsches Stückchen Stoff auf den Weg geschickt!“, und darin dann womöglich noch gegen das sechste Gebot (das mit dem Rummachen) verstößt.

Eben habe ich wieder einiges aus meinem Kleiderschrank aussortiert, da ich vor ein paar Tagen mit Freundinnen einkaufen war. Ein wunderschöner Sonnentag in der ZDF-Hochburg Mainz. Während ich Qualitätsdebatten über das deutsche Fernsehprogramm führte, führten sie Qualitätsdebatten über Stoffe made in Taiwan.
So wie ich keine Rosamunde-Pilcher-Filme schreibe, habe ich mich auch an jenem Shoppingnachmittag nicht überreden lassen, mir einen Taiwanesischen Gürtel mit Strassbesatz zu kaufen, der von mageren Kinderhänden zusammengenietet wurde, von Kindern, die wie Hunde in tierfeindlichen Ländern gehalten werden (man beachte, wie gut sich die Themen dieses Artikels miteinander verweben!). Nachdem wir so ziemlich jedes Geschäft in Mainz durchstöbert hatten, kam endlich ich zum Zuge. Endlich ein Geschäft für mich.
Mitten in der pittoresken Altstadt: ein Waffengeschäft!

Die BH-Prüfung mit Prädikat „schussfest“ habe ich schon mal bestanden. Obwohl in meinen Drehbüchern auch Waffen vorkommen, habe ich zu ihnen ein sehr gespaltenes Verhältnis, um nicht zu sagen: ein ablehnendes.
Ich weiß einiges über das Zeug, das gehört zum Geschäft einer Auftragsmörderin.

Ich habe sogar mal einen Nachmittag auf dem Schießstand verbracht und diverse Waffen ausprobiert. Das erste, was mich erstaunte, war, dass diese Dinger unglaublich schwer sind und es wirklich nicht einfach ist, sie ruhig zu halten. Das zweite Erstaunenswerte war, dass es ein sehr unangenehmes Gefühl ist, etwas in der Hand zu halten, dass 7-20 Gramm leichte Projektile aus sich heraus katapultieren kann, und dabei zu wissen, dass diese 7-20 Gramm dazu in der Lage sind, ein Menschenleben auszulöschen. Dabei hilft einem auch nicht wirklich, dass rechts und links auf dem Schießstand noch ein Dutzend andere Leute stehen, die mit ähnlichen Gramm herumballern.
Bei meiner kriminalistischen Phantasie ist der Weg zu einem Tatort eben nicht weit.

Obwohl ich immer gut darin war, mit runden Sachen etwas zu treffen – so wie beim Basketball, Fußball, Kirschkernspucken oder Wasserbomben werfen -, versagte ich beim Schießen kläglich. Auf dem Oktoberfest hätte ich keine Plastikrose gewonnen. Dieses eine Schießtraining habe ich lange nicht vergessen, denn das Gewehr hat mir mit seinen Rückstoß fast die Schulter ausgekugelt. Das waren keine blauen Flecken mehr, das waren fachbuchmäßige Hämatome.

Als ich von meiner Recherche aus dem Waffenladen in Mainz herauskam, sahen mich meine beiden Freundinnen verstört an:
„Wir haben Angst vor dir!“
Ich durfte den abendlichen Kinofilm bestimmen.

Ich finde Waffen ätzend und bin froh, in einem Land zu leben, wo nicht jeder Dödel ein paar von Ihnen zwischen seiner Unterwäsche oder ihren Spitzen-BHs lagert.

Die BH-Prüfung hatte ich damals mit meinem Schäferhund Thommy bestanden.

Thommy

Diese Begleithundeprüfung dauerte einen halben Tag und Thommy erschrak nicht, als neben ihm eine Waffe abgefeuert wurde. Prädikat „schussfest“! (Er fiel nebenbei auch keine Jogger an, holte keine Fahrradfahrer von ihren Vehikeln, lief vorbildlich ohne Leine, kackte nicht auf den Hundeprüfungsplatz und biss dem Prüfer nicht in die Wade oder markierte gar daran.)

Der Film, den ich in Mainz für uns aussuchte, hieß „Der Knast-Coach“. Da muss sich ein reicher Typ, der ins Gefängnis wandert, vier Wochen auf das Überleben in eben jenem vorbereiten. Dazu gehört neben dem Erlernen eines schau-mich-an-und-ich-mach-dich-platt-Habitus auch der Erwerb der Fähigkeit, Dinge in seinem Hintern zu schmuggeln. Was in das Rektum des Schauspielers so alles reinpasst, das erschließt sich aus dem Artikel.

Die Schmauchspuren nach dem Schuss müssen furchtbar unappetitlich gewesen sein.

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