Monatsarchiv: August 2015

Der Sommer ist groß

Nach der Sommerpause. Da bin ich wieder. Frisch verliebt, erholt von den Unbilden des Lebens, mit zwei neuen Leichen im Keller, mit Dauer-Ohrwürmern von Weihnachtsliedern im Kopf, total zerkratzten Beinen, übermüdet und mit einer Laune, in der ich die Welt umarmen möchte.

Zwei Monate, in denen ich nicht zum Blogschreiben kam und nicht zum Zeichnen. Ein Jammer. Und ne geile Zeit.

Vor fünf Wochen ist meine neue Liebe in mein Leben getreten. Ich habe selten so viel Zewa wisch und weg benutzt und bin seit Jahren nicht mehr so oft so früh aus dem Bett geholt worden.


Jonesy. Ich habe den kleinen Rüden nach einer Lieblingsfigur aus einem Lieblingsroman getauft. Garry Jones, genannt Jonesy, in „Dreamcatcher“ von Stephen King.

Meine Spaziergänge sehen aus, als probte ich in aller Welt expressiven Ausdruckstanz, immer am Leinen entwirren und meine Beine aus Verwicklungen befreien.

Wenn es Futter gibt und ich gegen Brechreiz kämpfe (grüner Kuhmagen, riecht wie Leiche) können ungeduldige Welpenkrallen den schattengebräunten Teint mit vielen roten Striemen bemustern.

Manche Narben sind aber wirklich hübsch, wenn man verliebt ist.

Hm.

Ist diese Verherrlichung verkrusteten Blutes Teil eines ungesunden Beziehungsverhaltensmusters? Verletzungen hinnehmen, nur weil man jemanden an seiner Seite hat, der winselt, wenn man geht?

Ach, das Leben ist gerade viel zu wunderbar, um es sich mit solchen Gedanken zu versauen.

Ich durfte drei Wochen eine wunderschöne Villa mit Paradiesgarten, Pool und heimischer Hündin – perfekte Spielgefährtin für meinen Welpen – hüten.


Musste nicht mal Rasenmähen, weil der Rasenmäher ein erwachsenes, pflichtbewusstes und völlig selbstständiges Wesen ist. Musste nicht mal Eiswürfel machen, weil der Kühlschrank ebenso selbstständig ist. Musste nicht mal an was Schöneres denken, weil alles Schöne schon da war.

Manche Leute sehen ja in allem das zu Bemäkelnde und bunkern haufenweise Leichen in ihrem Keller, bemühen sich, jene hinter Luftschutzbunkertüren zu verbergen, auch wenn die Kadaver hundert Meilen gegen den Wind riechen wie drei Kilogramm grüner Kuhmagen.

Wer schreibt, braucht keinen Luftschutzbunker. Schreiben ist neben glücklich sein und Selbstverwirklichung auch Müllabfuhr. Schreiben durchlüftet den Keller, weil Leichen auf dem Papier landen und nicht das eigene Haus zustinken. Man ist befreundet mit seiner dunklen Seite und lebt sie aus, ohne andere Menschen damit zu belästigen.

Gebt allen Menschen einen Stift in die Hand!

Ich habe Lust bekommen, ein Theaterstück mit dem Titel „8 Frauen am Pool“ zu schreiben – in bester Erinnerung an die Mädels-Runden in meiner Oase. Wir haben Tränen gelacht, gegessen, gebadet, Tränen gelacht, gegessen und gebadet. Und einen Mordplan gesponnen.

Nach der Sommerpause also alles perfekt – auch wenn ich wegen des Weihnachts-Tatorts bei 35 Grad Celsius seit Wochen von dem Weihnachtslied-Ohrwurm „Macht hoch die Tür“ gequält werde.

Trotz kleiner Nervereien und aller Tiefen ist das Leben doch eines der schönsten.

6 Kommentare

Eingeordnet unter Uncategorized