The Fast and the Furious oder: Harry, hol schon mal den Wagen!

In deutschen Polizeifilmen und -serien fahren Kommissare ja gerne mal dicke Karren, von denen der echte Polizist nur träumen kann. Zweihunderttausend Euro teure PS-Schleudern mit Rückwärtseinparkkameras, die bei Schneetreiben Filmchen auf den Monitor im Armaturenbrett zaubern, die vermuten lassen, im Fahrersitz sei eine Kamera für die tägliche Darmspiegelung integriert. Die Sitze haben sogar Massagefunktion, was beim Beruf ständig unter Ermittlungsdruck stehender Beamter sicherlich der löblichen gesundheitlichen Präventivvorsorge des Polizeiapparats zuzurechnen ist. Welche Kommissare haben schon bei bei all den Morden noch Zeit für Joga-Kurse und Feldenkrais, für Klangschalenmeditation und Mantra-Singen?
Man kann ja bei manchen Serien die Behauptung aufstellen, dass es, wenn es viel um Autos geht, an der Geschichte hapert. Oder dass die als GEZ-Gebühren bekannten Rundfunkbeiträge verschleudert werden.
Aber nein.
Die dicken Autos sind sogenannte kostenfreie Beistellungen von den Autofirmen. Das ist etwas ganz anderes als Schleichwerbung, denn es fließt kein Geld. Nur jede Menge Sprit. Bei den tiefstehenden Ölpreisen zurzeit allerdings ein Schnäppchen.
Der Tatort rühmt sich ja, gesellschaftlich relevant und realistisch zu sein. Öffentlich-rechtlicher Bildungsauftrag. Deshalb haben wir uns entschieden, beim Dreh des aktuellen Münchener Tatorts die PS-Stärke bei der Verbrecherjagd dem Lohnzettel echter Kommissare anzupassen. Man kann ja nicht jeden Sonntag zehn Millionen Zuschauern vorgaukeln, dass Polizisten bessere Autos fahren als hochrangige Politiker. Das würde, denkt man gesellschaftsrelevant weiter, Nachwuchs für den gehobenen Polizeidienst aus völlig falschen Motivationen heraus anlocken: Fette Karren, coole Klamotten, lässige Sprüche – wer, der kurz vor seiner Karriere steht, denkt da noch daran, allzeit bereiter Freund und Helfer zu sein?
Hier ein erstes, streng geheimes Bild vom Versuchsprojekt „Realitätsnahe Einsatzfahrzeuge zur Hauptsendezeit im Flagschiff des öffentlich-rechtlichen Fernsehens mit Bildungsauftrag zur Vermittlung eines authentischen Berufsbildes unterbezahlter Beamten“.

Auto

Miro Nemec: So Jungs, Könnt’S euren Text? Ich hab die erste Zeile: ‚Gib Gas!‘.
Udo Wachtveitl: Und dann sag ich: ‚Schneller, fahr schneller‘.
Adnan Maral: Ich hab auch nur eine Dialogzeile: ‚Der ist uns knapp entwischt‘.

Der berühmte Satz von Derrick „Harry, hol schon mal den Wagen!“ kam in der erfolgreichsten deutschen Serie (weil in einhundert andere Länder verkauft) übrigens nie vor.
Und wer mal kostengünstig und ganz ohne entblößende Untersuchungen einen Gesundheitscheck machen will, kann sich jederzeit bei BMW eine Darmspiegelung Probefahrt buchen. Mit Popo-Heizung.

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5 Kommentare

Eingeordnet unter Dreharbeiten, Fernsehen, Tatort

5 Antworten zu “The Fast and the Furious oder: Harry, hol schon mal den Wagen!

  1. Wunderbar! Auch das Bild. Popoheizung hab ich jetzt auch im neuen Auto, war mit drin im Paket. Muss also kein Schauspieler mehr werden.

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  2. Die können auch mein Auto nehmen, liegt gut in der Kurve 🙂

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  3. Ch.Gastner

    Aber so eine kurvenreiche Fahrt durchs eigene Innenleben- mit dieser ganz speziellen Beleuchtung – ist doch um Welten spannender, als die Schneeflocken auf der Einparkkamera. Ich plediere für die echte Darmspiegelung, die gibt es ab 50 auch von der Kasse bezahlt. 😉

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  4. Achtung wegen der Popo-Heizung. Kann böse Folgen haben am Hintern sagt der schlaue Proktologe. Ein Kissen ist vielleicht besser im Winter, hat auch den Vorteil bei kleineren Personen, dass man sieht, was auf der Strasse so los ist (meine Ex-Schwiegermutter hatte ständig eines unter dem Hintern, ohne das Kissen hätte sie überhaupt nichts mitgekriegt. Der Gipfel war jedoch, dass sie mit einer Brille Auto fuhr, dessen linkes Glas zersplittert war, aber noch in der Fassung sass. Hat ihr alles nix ausgemacht).

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