Einmal wirklich sterben oder: Warum stehen Männer auf Frauen, die in Ohnmacht fallen?

Die Zeiten, in denen Frauen in Filmen ständig in Ohnmacht fielen und mittels Riechsalz zurück in die Handlung geholt wurden, sind ja längst vorbei.

Aber heute ist Warmup für meinen Tatort „Einmal wirklich sterben“ und somit ein guter Tag, um mal wieder ohnmächtig zu werden.

Bei Film&Fernsehen gibt es immer einen Grund für Partys. Am Tag vor dem ersten Drehtag gibt es das Warmup. Nach der Hälfte der Drehtage gibt es das Bergfest. Und am letzten Drehtag steigt das Abschlussfest.

Ich erinnere mich an ein Abschlussfest in Hamburg, das ich nach dem Genuss einer Kopfschmerztablette besuchte. Spitzen Party. Nach dem ersten Glas Wein kippte ich um. Angeblich war sogar ein Krankenwagen gekommen, woran ich mich aber nicht erinnern kann. Ich weiß nur noch, dass ich den Rest der Party bis in die Morgenstunden bei Wasser und Meeresfrüchten mit dem psychologischen Berater der Serie zusammensaß und über das Leben philosophierte.

War super.

Und ich weiß auch noch, das mein kurzzeitiges Verschwinden aus dieser Welt bei allen Männern einen solchen Fürsorgeinstinkt ausgelöst hat, dass ich nicht wusste, ob ich das süß finden oder mich dafür fremdschämen soll.

Eine Schmerztablette und ein Glas Wein, und schon bündelt Frau mehr Interesse, als mit kurzem Rock und wilden Tanzeinlagen.

Das erste Mal ist mir das mit vierzehn aufgefallen. Als ich wieder zu mir kam, lag ich in den Armen eines etwas älteren Jungen, der mich wie verzaubert anhimmelte und mich sehr fest hielt. Trotz aller Romantik der Situation, hatten wir nur eine dreimonatige Beziehung. Er klammerte mir zu sehr.

Schifahren, die zweite: St. Moritz. Lustige Woche mit Freunden. Damals erkannte ich, welch betörende Wirkung die Mischung von Ibu und Alkohol auf Männer hat. Die Kopfschmerztablette vom Nachmittag hatte ich vergessen und ein Gläschen Wein ließ mich binnen kürzester Zeit an der Bar umkippen. Als ich zu mir kam, lag ich in den Armen eines mir völlig Fremden, der mich in größter Verliebtheit ansah und mit glücklichstem Strahlen in den Augen sagte: „Darauf habe ich mein Leben lang gewartet! Wie in dem Film ‚Vom Winde verweht!‘ “

Ich bin schon von einem Synchronsprecher aufgefangen worden, der mir in tiefstem Wesley-Snipes-Bariton zuraunte, dass nun alles in Ordnung sei.

Was an weiblichen Bewusstlosigkeitszuständen bringt Männer in den Zustand der Verzauberung?Dankbarkeit dafür, das frau sich in den heutigen Zeiten auch mal wieder schwach zeigt?

Ich schwöre, ich habe meine wissenschaftlich fundierte These nie absichtlich benutzt, um mit einem Ohnmachtsanfall einen ersten, bleibende Verzückung auslösenden Eindruck zu hinterlassen.

Einmal vereitelte so ein Anfall sogar den ersten Kuss – just in diesem Moment, als sich unsere Lippen fast berührten … PLOPP!, fiel ich vom Barhocker.

Wir sind kein Paar geworden.

Das einzige, worauf man sich in dieser Welt wirklich noch verlassen kann, ist, dass jeden Sonntag Tatort kommt.

Ich gehe heute nicht zum Warmup. Hab irgendwie so ein Ziehen im Kopf.

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Fernsehen, Film

Eine Antwort zu “Einmal wirklich sterben oder: Warum stehen Männer auf Frauen, die in Ohnmacht fallen?

  1. Frank Bergmann

    Der arme Kerl dachte bestimmt, dass dich seine Erscheinung vom Barhocker geschubst hat. Wer bringt einen Ohnmachtsanfall mit Ibu und Wein in Verbindung 😳.

    Gefällt mir

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