Monatsarchiv: April 2015

Der Schmähbrief

Jüngst schrieb ich in meinem Blogbeitrag „Bei Ihrem Talent sollten Sie Kloputzerin werden!“ (22. April 2015) über einen Schmähbrief, den ich einst per Fax zu einem Fernsehfilm aus meiner Feder erhielt.
Ich habe schon lange kein Faxgerät mehr, aber – immer auf dem neuesten Stand der Technik – mehrere Emailadressen. Eine für die vertrauliche Privatnutzung, eine für meine Autorentätigkeit, eine ganz anonymisierte für den Fall, dass ich mal Geschäfte per Mail abschließen sollte, bei denen es um meiner Sicherheit willen geraten ist, mich nicht als die zu outen, die ich wirklich bin, eine Adresse für Belange meines Vorstandspostens im Verband Deutscher Drehbuchautoren und eine langweilige info@-Adresse für Leute, die meinen, mich im Internet finden zu müssen.

Es gibt also immer noch diverse Möglichkeiten, mir Schmähbriefe zu schreiben.

Und es gibt immer noch Menschen, die diese Möglichkeit nutzen.

Ich hatte mich auf einen offenen, an alle Tatort-Autoren gerichteten Brief zu einer Antwort hinreißen lassen. Eine Mutter äußerte sich in dem Brief enttäuscht und besorgt, dass es im Tatort so viele Kindesmissbrauchsfälle geben würde und sie hatte den Wunsch, dass man doch lieber über Eifersuchtstaten und Wirtschaftskrimis schreiben möge.
Ich zeigte mich ernsthaft verständnisvoll, erklärte, selbst schon Geschichten erzählt zu haben, in denen Kinder mit zu den Leidtragenden gehörten, und dass ich dieses Thema nicht per se unerzählenswert fände, zeige es doch leider eine existierende Wunde der Gesellschaft. Aber ich wünschte, dass Autoren, Sender und Regisseure dieses Thema mit besonderer Sorgfalt und gut recherchiert behandelten und es nicht nur als bloßen Quoten-Schocker-Aufhänger benutzten.
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Diese Antwort zu meiner Antwort aus den Weiten des Internets erreichte mich auf einer meiner fünf Maliadressen – nicht von der Mutter übrigens:

„Bitte richtet einen 24h Stunden-Sender ein, auf dem nur Loriot, Helge Schneider, Dieter Nuhr, Heinz Erhart und so weiter laufen. Möglicherweise könnten depressive Menschen von Kindesmisshandlungen abgehalten werden, wenn sie über die Öffentlich-Rechtlichen permanent Zutritt zu „guter Laune“ bekommen würden, und deshalb in einem Dauer-Stimmungshoch sind… und deshalb erst gar nicht auf dumme Gedanken kommen. Schon mal über diese Variante nachgedacht?! Dann gäbe es nämlich erst gar keine „Wunden der Gesellschaft“.
Verstanden? Ich vertrete die Meinung, dass Sie (als derzeitige Tatort-Autorin) eine Mitschuld an der Depression mancher Menschen tragen.“

Endlich haben wir die Lösung für die unschönen Kriminalstatistiken, ich sollte den Vorschlag gleich ans Justizministerium weiterleiten. Vergesst Resozialisierung und Selbstverantwortung der Täter! Rundumbeschallung in Justizvollzugsanstalten mit Loriot und Helge Schneider und niemand wird wieder rückfällig!
Ich war bisher nicht der Meinung, dass es zum typischen Bild und Symptom einer Depression gehört, Kinder zu misshandeln und zu missbrauchen. Pädophilie, so schien mir, sei eine gravierende Störung und ein Straftatbestand.
Hab ich wieder was dazu gelernt.

Auch Depression dachte ich, sei ein Krankheitsbild, das durch einen gestörten Serotoninhaushalt im Gehirn ausgelöst wird und nicht durch Kriminalfilme. Als Antwort auf die Antwort auf die Antwort möchte ich mit einem Zitat aus meinem Roman „Wo die Angst ist“ schließen, in dem die weibliche Hauptfigur, eine Psychologin, sagt:

„Und wissen Sie, was ich einem Patienten empfehle, wenn er mit diesen Schuldmanipulationsversuchen kommt? Er kriegt die Aufgabe, sich ein schönes, großes Einmachglas zu besorgen. Das muss er einen Monat lang immer mit sich herumtragen. Jede Minute, beim Essen, beim Sport, beim Scheißen, beim Wandern. Und für jeden Versuch, jemand anderem für etwas die Schuld zu geben, muss er eine Bohne hinein tun. Nach vier Wochen ist das Glas für gewöhnlich voll. Dann soll er in den Wald gehen, sich bewusst machen, was er da für einen Ballast mit sich herum schleppt, die Bohnen vergraben und sich schwören, dass er es sich ab jetzt leichter machen wird.“

Ein Kommentar

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Heute blogge ich fremd, Teil 2

Einer der Höhepunkte auf dem gestrigen Gedöns-Kongress der taz im Haus der Kulturen der Welt war die Lesung der „Wahrheit“-AutorInnen von der satirischen letzten Seite der Zeitung.

Große Namen versprachen einen großartigen Abend und während die taz-Kolumnisten und Titanic-Redakteure auf dem Dach der Schwangeren Auster vorlasen, gab es urinfarbene, hochprozentige Getränke in kleinen Schnapsgläsern.

Alles über das illustre Entertainment findet Ihr in meinem Blog für die taz auf:

http://blogs.taz.de/tazlab/2015/04/26/absacken-mit-der-wahrheit/

Pubertierende Kinder können Spaß machen – zumindest denen, die keine haben und die die Kolumnen von Anja Maier und Maik Söhler lesen. Das beweisen die beiden taz-Kolumnisten auf ihrer Lesung „Verdammte Kinder!“ In ehrlich freischnäuzigem Ton erzählen sie über das vertrackte Leben mit den Sprößlingen. Herrlich! Meinen Eindruck ihrer Lesung findet Ihr auf der taz-Seite:

http://blogs.taz.de/tazlab/2015/04/25/geduld-irgendwann-ziehen-die-kinder-schon-aus/

Viel Spaß beim Lesen und ab morgen gibt’s wieder die Auftragmörderin!

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