Dialoge, die das Leben schreibt

Da bemühen wir Autoren uns jeden Tag, lebensechte Dialoge zu schreiben – und dann das:

Mir gegenüber sitzt eine Mutter mit ihrer bildhübschen Tochter:

Tochter: „Ich brauche Geld!“

Mutter: „Du machst erst mal deine Schule fertig!“

Tochter: „Ich will mir aber drei Paar High-Heels kaufen.“

Mutter: „Warum nicht drei Paar Bücher?“

Ich kann mir mein Grinsen nicht verkneifen. Die Mutter merkt, was sie da gesagt hat, lacht lauthals los. Die Tochter blickt sie sauer an.

Tochter: „Was gibt´s an drei Paar Büchern jetzt zu lachen?!“

Ach, so sehr ich meinen Beruf Geschichten zu erfinden liebe, die Realität hat eine ganz eigene, erhabene Schönheit.

Schuhe

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9 Kommentare

Eingeordnet unter Film, schreiben

9 Antworten zu “Dialoge, die das Leben schreibt

  1. Warum nicht ein Paar High-Heels und ein paar Bücher kaufen? Gibt doch so tolle Bücher. Vielleicht „Die Kunst der Schuhe“ oder so? 😛

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  2. *seufz* Auch zwei Paar. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass es irgendwo noch die perfekten „Prinzessinnenschuhchen“ gibt, die weder Konto noch Füße ruinieren. Ich glaube aber auch an Happy-Ends. 😛

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  3. …zufrieden wäre ich schon, wenn ich in solchen Dingern laufen könnte. Was sag ich da: laufen? – g e h e n – Applaus all den tollen Geschlechtsgenossinnen, die es schaffen, Schuh for special walking on your feet, auch noch nicht einmal peinlich aussehen zu lassen. Und, – ich musste sehr lachen über die Geschichte, Dinah. Danke für deinen Ausdruck für Realitätsgeschichten: erhabene Schönheit. Außerdem bin ich hin und weg von deiner Schreibe. Danke 🙂 LG May

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  4. Ich gehe mit meinem angeleinten Hund in Antwerpen zum Bäcker. Auf dem Bürgersteig überkommt ihn ein Bedürfnis. Weit und breit kein Rasenstück zu dem ich ihn zerren könnte. Ich krame meine Tüte heraus, warte, dass er fertig ist um die Hinterlassenschaft einzusammeln.
    Da kommt eine Frau aus einem Auto, meckert, ich soll den Hundekot entfernen. Anmerkung: Der Kot steckte zu dem Zeitpunkt noch zur Hälfte im Hund.
    Ich: Ich habe schon die Tüte parat.
    Sie: Dann machen sie schon.
    Ich: Der Hund muss erst mal machen.
    Sie: Los.
    Ich: Feuern sie ihn ruhig an, dann geht es schneller.
    Sie: Unverschämtheit.

    Der Hund fühlt sich beobachtet, schaut irritiert zu mir hoch. Offensichtlich hat er Probleme mit der Verdauung. Wahrscheinlich zu viele belgische Pommes auf der Straße nebenbei gefressen.

    Ich: Ganz ruhig, ich hab die Tüte schon in der Hand. Sobald der Hund fertig ist, hebe ich alles auf.
    Sie: Jetzt! Sie Ferkel. Typisch deutsche ….(unzitierbar)
    Ich: Was soll das denn jetzt?
    Sie: Deutsche bilden sich ein, alles zu dürfen.
    Ich: Der Hund ist Engländer. Wenn, müssen sie auf die Engländer schimpfen.
    Sie: Frechheit.

    Hund ist fertig, springt zur Seite. Ich hebe auf, nehme die Tüte hoch.
    Ich: Zufrieden?
    Sie schimpft wie wild auf mich ein, ich schimpfe zurück. Plötzlich fällt mir auf, dass ich all das auf niederländisch mache. Das erste Mal während meines Sprachkurses, dass ich frei rede, ohne nachzudenken, ohne bestimmte Vokabeln zu erinnern. Ich streite mich auf niederländisch! Grandios. Mitten im Satz breche ich ab und lache, bedanke mich bei ihr, schmeiße die Tüte in ihren Mülleimer, der an der Straße steht und gehe weiter.
    Sie: Scheiß Engländer!

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