Die Berlinale – das wilde Fest der Liebe (ups … streiche Liebe) … Leber (uuups … streiche Leber) … Leinwand! Ja, das war´s!

„Wir beide? Glas Wein?“ und „Wir kommen nach Berlin, wir müssen uns treffen!“. Seit drei Wochen hagelt es Mails dieser Tonart. Fast könnte man meinen, ich sei Spammaschinenbetreibern zum Opfer gefallen. Aber tatsächlich wird hier nicht für dubiose Dating-Plattformen geworben. Auch nicht für günstigen Alkohol. Es geht um die Berlinale (obwohl all diese Dinge ein bisschen verschwimmen).

Es gibt fünf in Beton zementierte Regeln für den Besuch der Berliner Filmfestspiele.
1. Behindere deine Freizeitgestaltung nicht mit Arbeit.
2. Stelle das branchenfremde Leben ein.
3. Auf Schönheit angewiesen zu sein, kann deiner Karriere schaden.
4. Hände weg von Gerätschaften, mit denen du im Drehbuch jemanden abschlachten würdest.
5. Hab keinen Bruder, der aussieht wie Richard Gere.

Zu 1.: All diese Termine mit Produzenten, Regisseuren, Senderredakteuren. Mal ehrlich, Leute, hat schon mal irgendwer ein Projekt bei so einem Termin festgezurrt? Ich habe klug und vorausschauend meine Senderbesprechung für die Verfilmung meines Romans vor der Berlinale absolviert, ohne Party-Ermüdungs-Syndrom und ohne Anschlusstermindruck. Meine „Tatort“-Besprechung liegt weit genug hinter der Berlinale, sodass sich bis dahin der Sozialkoller und die dauerquasselbedingten Wortfindungsschwierigkeiten ausgeschlichen haben. Ich kann also in den nächsten Tagen einfach nur Spaß haben. Und ja, das Gerücht stimmt: das ist es, was wir Film- und Fernsehleute haben wollen, keine Termine.

Zu 2.: Von Jahr zu Jahr merke ich, dass ich den Alkohol weniger vertrage. Besonders den am Morgen. (Filmleute gehen ja früh am Morgen begeistert auf Empfänge. Das ist komisch, denn unterm Jahr stehen die meisten nicht so gerne früh auf.) Dann merke ich, dass man eigentlich während der Berlinale das Arbeiten einstellen muss, auch das Schlafen – ja wenn nicht sogar das Leben mit normalen Menschen. Man ist ja zu gar keiner branchenfremden Kommunikation mehr fähig. Tagelang drängen sich die (immergleichen) Filmschaffenden auf im Zweistundentakt wechselnden Empfängen.
Eigentlich ist man nach drei Tagen auch zu keiner brancheninternen Kommunikation mehr fähig.

Zu 3.: Zum Glück müssen wir Autoren – im Gegensatz zu den meisten Schauspielern – während dieser Filmtage nicht immer gut aussehen. Wir können uns einen abgekämpften Teint durchaus mal leisten, ohne dass man uns die Kompetenz für das nächste Drehbuch abspricht. Manchmal gibt uns das etwas Verlebte sogar den Hauch des Besonderen, Geheimnisvollen, Tiefgründigen. Wer ein wirklich guter Autor ist, darf scheiße aussehen. Das befreit enorm von gesellschaftlichem Druck.

Zu 4.: Dieses Jahr habe ich mir etwas weniger Empfänge in den Kalender eingetragen, das minimiert radikal die Gefahr, wieder in einen Haushaltsunfall verstrickt zu werden. Damals meinte ich nach einem besonders lustigen Empfang noch spät in der Nacht etwas kochen zu müssen. Das Messer war ein axtschweres Gerät aus Südostasien. Aber die netten Herren in der Notaufnahme haben den Finger wieder tipptopp hergerichtet. Einige Zeit war er etwas taub und verfickt verdickt und ich treffe nicht immer die richtigen Tasten beim Schreiben. Aber er macht absolut seinen Job, wenn es darum geht, auf Regisseure, Redakteure und Produzenten zu zeigen, die einem mal das Leben versaut haben, und seine Autoren-Kollegen vor ihnen zu warnen. Oder (nur im volltrunkenen Zustand, ich schwör´s!) auf die Cate Blanchetts und Christian Bales zu zeigen, die aus aller Welt zu unserem lustigen Berliner Filmevent anreisen.

5. Einmal bin ich mit Richard Gere zusammengestoßen, das hat mir aber gar nichts gebracht, da mein älterer Bruder ihm zu ähnlich sieht. Da greift dann ein Anti-Inzucht-Reflex im Stammhirn. Da zuckt nicht mal der Zeigefinger. Was für eine Verschwendung.

Der rote Teppich wird schon gesaugt. Heute Abend geht es los. Schnell noch was Vernünftiges essen.

Ach ja, und für alle, die es nicht wissen: auf der Berlinale werden nebenbei auch noch ein paar nette Filme gezeigt.

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6 Kommentare

Eingeordnet unter Fernsehen, Film, Krimi, Uncategorized

6 Antworten zu “Die Berlinale – das wilde Fest der Liebe (ups … streiche Liebe) … Leber (uuups … streiche Leber) … Leinwand! Ja, das war´s!

  1. Sei achtsam, zieh dich warm an und erzähl uns hinterher, wie’s diesmal war. (Von einem Berlinale-Verweigerer)

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  2. jakobsblog

    Du sprichst mir aus dem Herzen. Noch nie war ein Empfangbesuch von spürbarem beruflichem Sinn für mich. Von Jahr zu Jahr verweigere ich mich mehr den Berlinale-Empfängen, so auch in diesem Moment. Und beim Alkohol nach Mitternacht bin ich wie ein Gremlin: Keine gute Idee.

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  3. jupp

    das wars schon-sorry

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